8. Deutschland
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Der Saxophonbau in Deutschland entstand hauptsächlich in Markneukirchen/ Sachsen und dem unweit gelegenen Klingenthal, welches wiederum in unmittelbarer Nachbarschaft von Graslitz (heutiges Kraslice/Tschechien) liegt. Die in Graslitz durch mehrere Hersteller betriebenen Werkstätten gingen nach dem 2. Weltkrieg in das tschechische Firmenkombinat Amati über.
Auf deutscher Seite in Markneukirchen und Klingenthal wurden die Instrumentenbauer in der damaligen DDR nach und nach zur "VEB Blechblas- und Signalinstrumenten-Fabrik Markneukirchen/Klingenthal" mit der Markenbezeichnung B & S verstaatlicht. Diese ging 1991 nach der deutschen Vereinigung in die Vogtländische Musikinstrumentenfabrik GmbH über und vor kurzem in die JA Musik GmbH.
Darunter ist der Zusammenschluss einer Gruppe deutscher und französischer Instrumentenbauer zu verstehen, unter welcher nun auch B & S firmiert.
8.1. Oscar Adler & Co
Die Firmengründung erfolgte 1885 in Markneukirchen durch den Pfeifenmacher Oscar Adler (1862 - 1922). Nach Vorlage eines Saxophones des Pariser Instrumentenbauers Gautrot, welches sich Adler 1901 aus dem Gewerbemuseum Markneukirchen (heutiges Musikinstrumentenmuseum) auslieh, wurde das erste Saxophon in Deutschland gebaut.
Bis in die 20er Jahre galt Adler als der größte Saxophonhersteller im deutschsprachigen Raum. Ab diesem Zeitpunkt drängten die Graslitzer Hersteller Kohlert und Julius Keilwerth auf den Markt. 1960 musste der Bereich des Saxophonbaus auf staatliche Anordnung eingestellt werden. 1972 erfolgte die Verstaatlichung zur VEB Sonora, welche 1990 nach Zusammenschluss mit der Fa. Mönnig in die "Holzblasinstrumentenbau GmbH" überging. Heute werden dort Oboen, Klarinetten und Fagotte produziert.
Abgesehen von dem etwas teureren Modell Triumph wurden durch Adler qualitativ einfache und billige Saxophone unter den Bezeichnungen Odeum, Electra, Racso, Relda, Symphonie, Eterna, Gloria, Ocru und Sonora hergestellt.
8.2. Julius Keilwerth
Bereits der Vater Johann Keilwerth war im Holzblasinstrumentenbau tätig und machte sich 1920 in Graslitz selbständig. Von seinen vier Söhnen wurden Max, Richard und Julius Keilwerth (1894 - 1962) durch den Saxophonbau bekannt.
Nach seiner Lehre war Julius Keilwerth zunächst für die Fa. Kohlert in Graslitz tätig. Mit seinem Bruder Max fertigte Julius Keilwerth bis zur Gründung seiner eigenen Werkstatt im Jahr 1925 in Heimarbeit Saxophone für die Firma Adler. Julius Keilwerth wurde schnell der größte Saxophonhersteller in Deutschland mit ca. 150 Arbeitern. Nach Kriegsende 1945 wurde die Firma enteignet, die Werkstätten in Graslitz wurden fortan vom tschechischen Firmenkombinat Amati übernommen.
Nach seiner Aussiedlung wagte Julius Keilwerth im hessischen Nauheim bei Groß-Gerau 1947 einen Neuanfang. Die Firma wurde 1962 durch den Sohn Josef Keilwerth weitergeführt und gehört seit 1989 wie auch die französische Firma Buffet der Firmengruppe Boosey & Hawkes an.
Bereits ab etwa 1970 konzentrierte man sich ausschließlich auf den Bau von Saxophonen. Seit längerem gelten die hochwertigeren Modellreihen von Julius-Keilwerth als ernstzunehmende Konkurrenz zu den etablierten Instrumenten von Selmer Paris oder den Profi-Saxophonen von Yanagisawa und Yamaha.
Vor dem 2. Weltkrieg vertrieb Julius Keilwerth seine Saxophone unter den vier Modellbezeichnungen Toneking Solo, Toneking, The New King und King. Nach dem Wechsel nach Nauheim wurden die Modelle Toneking-Special, Student, und Toneking-Exclusive produziert. Ebenso wurde das bereits aus Graslitz bekannte The New King bis 1970 gebaut.
Ende der 80er Jahre wurden die Modelle EX 90, SX 90 und SX 90 R eingeführt. Das SX 90 R verfügt über gebördelte Tonlöcher und wurde anfangs auch Peter Ponzol Modell genannt. Das Vorgängermodell des SX 90 ist das Toneking Exclusive, das damalige Spitzenmodell in der Julius Keilwerth Produktpalette. Bei den SX 90 und SX 90 R Saxophonen handelt es sich um professionelle Instrumente. Anfang der 90er wurden die ST Modelle eingeführt.
8.3. Richard Keilwerth
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Der Bruder von Julius Keilwerth, Richard Keilwerth übernahm 1945 die Firma seines Vaters in Graslitz bis zu deren Eingliederung in das Firmenkombinat Amati.
1951 wurde das Werk im hessischen Gelnhausen wieder aufgebaut, wo man bis heute neben Saxophonen auch Klarinetten und Flöten herstellt. Die Saxophone werden unter der Bezeichnung 102 bis 105 angeboten.
8.4. Max Keilwerth / Hohner
Max Keilwerth (1898 - 1968) begann seine Karriere ebenfalls in Graslitz, wo er zunächst wie sein Bruder Julius Keilwerth in Heimarbeit für die Fa. Adler aus Markneukirchen fertigte.
Ab 1923 baute Max Keilwerth die Saxophonabteilung der Graslitzer Firma F.X. Hüller auf und machte sich 1925 selbständig. Seine vormaligen Arbeitgeber Adler und Hüller belieferte er bis Anfang der 30er Jahre noch mit Saxophonen. Nach der Enteignung 1945 war Max Keilwerth kurze Zeit für Amati tätig, bevor er nach seiner Aussiedlung ab 1949 für den Saxophonbau der Fa. Hohner aus Trossingen verantwortlich wurde.
Hohner wird eigentlich mit der Mundharmonika-Produktion in Verbindung gebracht, stellte jedoch auch bis 1967 Saxophone unter der Modellbezeichnung Hohner-President her.
8.5. Weitere deutsche Hersteller
Bis zum 2. Weltkrieg etablierten sich alleine in Graslitz 59 Instrumentenbauer mit ihren meist kleinen Werkstätten. Gingen auf tschechischer Seite die meisten in das Firmenkombinat Amati über, so wurden auf deutscher Seite wie beispielsweise in Markneukirchen in der damaligen DDR die Betriebe verstaatlicht bzw. die Produktion nach und nach eingestellt. Nachfolgend werden ein paar Hersteller mit ihren jeweiligen Saxophonmodellen aufgezählt.
G.H. Hüller in Schöneck produzierte von 1921 bis 1972 Saxophone unter den Bezeichnungen Imperial und Primus. G.H. Hüller wurde in den "VEB Blechblas- und Signalinstrumente" eingegliedert.
Die Fa. Kohlert und Söhne (zuerst Vinzenz Kohlert und danach V. Kohlert´s Söhne) war zunächst in Graslitz tätig. Nach dem 2. Weltkrieg fand in Winnenden bei Stuttgart unter der Bezeicnung Kohlert & Co ein Neuanfang statt. Bis 1977 stellte Kohlert Saxophone mit den Modellnamen Popular, Regent, Star und Excelsior her.
Ab 1930 wurde von den Gebrüdern Mönnig in Markneukirchen Saxophone mit den Bezeichnungen Artist, Brillant, Diamant, Exquisito und Professional gebaut. Nach der Zugehörigkeit zur "VEB Blechblas- und Signalinstrumente" ab 1974 fusionierte Mönnig 1990 mit der Fa. Oscar Adler zur "Holzblasinstrumentenbau GmbH"
Die Marken Amethyst und Non plus ultra stammen von Martin Reiner, welcher von 1949 bis 1956 in Markneukirchen Saxophone baute.
Werner Roth produzierte von 1949 bis 1972 in Breitenfeld Saxophone der Marken Royal und Sinfonia.
Eugen Schuster stellte von 1937 bis ca. 1950 in Markneukirchen Saxophone der Marke Aristokrat und Majestic her.
F.X. Hüller stellte bis zur Eingliederung zu Amati 1945 in Graslitz und Klingenthal die Marken Champion und World her. Max Keilwerth hatte vor dem 2. Weltkrieg die Saxophonabteilung von F.X. Hüller aufgebaut.
Das Modell Klingsor stammt von der Fa. Hammerschmidt, welcher nach dem 2. Weltkrieg in Burgau/Schwaben ansässig war und bis in die 70er Jahre u.a. auch Saxophone fertigte. Das Unternehmen ist heute in Tirol ansässig.
Die Saxophonmodelle Akustik, Weltklang und Solist wurden in der Zeit nach dem 2. Weltkrieg durch "VEB Blechblas- und Signalinstrumente-Fabrik" in Markneukirchen und Klingenthal produziert, welche zwischenzeitlich unter der Bezeichnung JA Musik GmbH firmiert. Aus dieser Firma stammt weiterhin die Modellreihe B & S.
Franz Köhler stellte in Markneukirchen seit den 30er Jahren bis 1961 die Modelle Empor und Cea her.
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