3. Saxophonbau

Das Saxophon besteht aus ca. 500 Teilen, wobei alleine etwa 300 Einzelteile der Mechanik, welche die meist 25 Tonlöcher öffnen und verschließen, zuzurechnen sind. Auf den ersten Blick geht man von einem komplizierten Instrument aus, jedoch dient die aufwändige Mechanik lediglich der Vereinfachung der Handhabung.

Der Anteil der Handarbeit liegt immer noch bei ungefähr 80 Prozent. Dem Saxophon eigen ist die konische Form, durch die im Gegensatz zur Klarinette ein Überblasen in der Oktave erreicht wird. Für eine perfekte Intonation wäre ein eigenes Oktav-Loch für jeden einzelnen Ton erforderlich. Das ist aus Platzgründen natürlich nicht möglich, sodass durch komplizierte Rechenverfahren ein möglichst stimmiger Kompromiss zur Anordnung der Tonlöcher auf dem Korpus gefunden werden muss.

Die daraus resultierenden leichten Intonationsprobleme müssen durch den Spieler über den Ansatz ausgeglichen werden. Bei guten Instrumenten bewegt sich die Abweichung beispielsweise im Rahmen von 25 Cent. Dies entspricht 25 % eines Halbtones.

 

3.1. Korpus

Die Röhre selbst besteht aus Messing. Ein aus einer Schablone geschnittenes Messingstück wird in einer Presse rund gedrückt, zur Röhre geformt und verbunden.


Auf der Röhre werden die späteren Tonlöcher bestimmt, welche dann durch die Klappen abgedeckt werden. Da die Klappen direkt auf der Röhre durch die Rundung niemals dicht aufliegen würden, werden sogenannte Kamine aus der Röhre gezogen. Diese Kamine werden plan abgeschnitten, sodass die Klappen dicht aufliegen können.

Eine teurere Lösung ist das Aufsetzen und anlöten eigens gefertigter Kamine auf die zuvor ausgeschnittenen Tonlöcher. Bei manchen Instrumenten werden die Kamine umgebördelt, wodurch eine größere Auflagefläche der Klappen erreicht wird. In gleicher Art und Weise werden der Stiefel oder das Knie sowie der Schallbecher bzw. das Schallstück gefertigt. Diese 3 Teile werden miteinander verschraubt oder verlötet.
Durch Galvanik oder ein Sprühverfahren wird der komplette Korpus versilbert, vernickelt, klarlackiert oder goldlackiert. Einige Hersteller bieten zwischenzeitlich auch farbige Lackierungen an.

 

3.2. Mechanik

Anschließend wird die Mechanik aufgesetzt, welche durch Achsen, Nadelfedern, Griffplatten, Hebel usw. für die einwandfreie Bewegung der Klappen sorgt. Eine etwas aufwendigere Art ist das Auflöten der einzelnen Achsböcke direkt auf den Korpus. Gängig ist die Vormontage mehrerer Achsböcke und Mechanikteile auf Metallstreifen, welche komplett auf den Korpus angebracht werden. Störende Geräusche werden durch kleine Korkplättchen oder Filze verhindert.

Die Klappen sind für die Abdeckung der Tonlöcher verantwortlich, etwa die Hälfte der meist 25 Tonlöcher steht offen, die andere Hälfte ist durch die Klappen verschlossen.

Die Intonation des Instrumentes wird durch den Abstand zwischen offenstehender Klappe und Kamin, dem Klappenaufgang, beeinflusst. Es ist also eine sorgfältige Justierung dieser Mechanik erforderlich.

Auf den Innenseiten der Klappen sind die Polster eingeklebt. Diese sorgen für einen möglichst dichten Verschluss auf der planen Oberseite der Kamine. Die Polster sind nichts anderes als runde Filz- oder Kartonstückchen, die mit Leder umhüllt sind. Für eine bessere Qualität der Polster steht beispielsweise die italienische Firma Pisoni. Zur Verhinderung eines gedämpften Sounds sind in der Mitte der Polster Metallresonatoren, also kleine runde Metallstückchen, angebracht.

Die Polster unterliegen einem schleichenden Verschleiß und müssen von Zeit zu Zeit ausgetauscht werden. Undichte Polster sind einer der Hauptgründe für schwer ansprechende und sich ständig in die Oktave überschlagende Instrumente. Eine schmale Leuchtröhre im Saxophon unter Zudrücken sämtlicher Tasten bringt schnell zutage, an welchem Polster Licht austritt. Dieses ist undicht und sollte vom Fachmann ausgetauscht werden.

 

3.3. Der S-Bogen

Separat zu sehen ist der S-Bogen, welcher nicht fest mit dem Instrument verbunden ist, sondern zum Spielen aufgesteckt wird. Der S-Bogen enthält die obere Oktavklappe sowie die Korkummantelung, auf welche das Mundstück aufgesteckt wird.

Der S-Bogen hat einen starken Einfluss auf Klangfarbe, Stimmung und Anspracheverhalten. Ein gutes Saxophon kann mit einem schlechten S-Bogen nahezu unspielbar werden. Umgekehrt kann ein schlechtes Instrument durch einen sehr guten S-Bogen passabel klingen.

Nicht unerheblichen Einfluss hat auch der Zustand des Teiles. Sind am restlichen Korpus Dellen nicht von ausschlaggebender Bedeutung, so können selbst kleine Dellchen am S-Bogen diesen ziemlich verschlechtern. S-Bogen werden zudem in verschiedenen Legierungen wie Kupfer oder Goldmessing hergestellt. Yanagisawa und Selmer Paris bieten sogar S-Bogen aus reinem Sterling-Silber an.

 

3.4. Mundstück

Durch verschiedene Mundstücke lässt sich ebenfalls der Sound erheblich verändern. Hier werden vor allem zwei Arten angeboten. Zum einen sind dies Metall-Mündstücke, welche aus Messing hergestellt und mit einem Edelmetall überzogen werden. Den Metall-Mundstücken wird ein eher scharfer Ton nachgesagt.

Des weiteren werden Mundstücke aus Kunststoffen wie Kautschuk, Ebonit oder auch Graphit hergestellt.

Der Klang hängt insbesondere von 3 Eigenschaften ab. Die Öffnung des Mundstückes beschreibt die Größe des Spaltes zwischen Blattspitze und Mundstückspitze. Eine sogenannte offene Bahn führt zu einem größeren Sound und stärkerer Intonationskontrolle. Die geschlossene Bahn verspricht bessere Ansprache und einen kontrollierteren Ton.

Die Bahnlänge bezeichnet den Teil des Mundstückes ab dem das Blatt nicht mehr auf dem Mundstück aufliegt sondern frei steht. Eine lange Bahn wirkt sich eher bei einer offenen Bahn aus, da das Blatt durch geringere Auflagefläche freier schwingen kann.

Als dritter Punkt spielt der Innenraum des Mundstückes, die Kammer, eine Rolle. Kleine und enge Kammern führen zu einem helleren Ton, eine breite Kammer dagegen zu einem dunkleren und weicheren Sound.

 

3.5. Blatt

Abschließend ist das Rohrblatt als primärer Tonerzeuger von immenser Bedeutung. Das Blatt wird auf dem Mundstück fixiert. Das Anblasen versetzt das Blatt in Schwingungen, welches das Mundstück dadurch ständig verschließt und öffnet.
Als Grund für die Zugehörigkeit des Saxophons zur Familie der Holzblasinstrumente wird regelmäßig die Tonerzeugung mittels Rohrblatt angeführt. Ursprünglich war jedoch die Nähe des Klanges zu den Klarinetten anstatt zu den Trompeten für diese Einordnung entscheidend.

Die Blätter werden aus Rohrholz hergestellt. Das Rohrholz ähnelt stark dem Bambus, gehört aber der Familie der Gräser an. Ein starkes Verbreitungsgebiet ist das Departement Var in Frankreich mit den Städten Frejus und Cogolin. Das Rohrholz wird bis zu 9 Meter hoch und ist nach 2 bis 3 Jahren Wachstum erntebereit. Von der Ernte werden regelmäßig nur 25 % tatsächlich verwertet. Die Hölzer werden etwa 4 Monate im Freien vorgetrocknet und anschließend 1 bis 2 Jahre trocken gelagert. Auf üblicherweise maschinellem Weg können aus 1 kg Rohrholz etwa 180 Blätter in verschiedenen Stärken produziert werden.

Die Blattstärke bezeichnet nicht die Dicke des Blattes sondern die Stärke des Widerstandes, welche das Blatt einer vorsichtigen Biegung entgegensetzt. Die nachlassende Elastizität führt dazu, dass die Blätter nach einiger Spielzeit abnutzen und leichter werden. Seit einiger Zeit sind daher Kunststoff-Blätter oder Holzblätter mit Kunststoffüberzug auf dem Markt, die genau den genannten Nachteil der relativ schnellen Abnutzung ausgleichen sollen. Bislang konnten sich diese aber noch nicht durchsetzen, da den Holzblättern nach wie vor ein besserer Klang nachgesagt wird.

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