7. USA

7.1. Conn

Charles Gerard Conn (1844 - 1931) wurde in der Region New York geboren und zog 1851 mit seinen Eltern nach Elkhart im Bundesstaat Indiana um. Nachdem er zunächst Kornett-Spieler in der US-Armee war, gründete er anschließend in Elkhart seine Firma und stellte Kornetts her. Zeitweise beschäftigte Conn über 150 Arbeiter.

Conn war neben seiner Instrumentenbautätigkeit auch politisch engagiert. 1880 wurde er Bürgermeister von Elkhart und 1892 Abgeordneter für den Distrikt Indiana.

Nachdem Conn 1888 den bekannten Saxophon-Solisten Lefebre kennen lernte, ließ er durch seinen Vorarbeiter Ferdinand August Buescher nach Vorschlägen von Lefebre das erste Conn-Saxophon bauen. Lefebre war ein Freund von Adolphe Sax. Conns erste Saxophone waren daher größtenteils Nachbauten von durch Adolphe Sax selbst produzierten Instrumenten.

Buescher war bereits seit 1875 bei Conn angestellt und machte sich etwa 1895 sehr erfolgreich selbständig. Der Firmengründer Charles G. Conn verkaufte seine Firma 1915 an Greenleaf, welcher die Firma unter der Bezeichnung Conn weiter führte. Die US-Regierung war größter Auftragsgeber von Conn, so dass die Firma 1917 auf ca. 550 Mitarbeiter anwuchs. Von den insgesamt monatlich hergestellten 2500 Blasinstrumenten hatten die Saxophone einen Anteil von 1000 Stück.

Von 1942 bis 1945 wurden ausschließlich Instrumente für Militärkapellen produziert. Seit 1985 gehört Conn United Musical Instruments Inc. USA (UMI) an, welche auch den Saxophonhersteller King übernahm.

Zwischenzeitlich erreicht das Niveau der Saxophone nur noch den Status von Schülerinstrumenten. Die besten Zeiten hatte Conn sicherlich in der ersten Hälfte des 20. Jahr-hunderts. Die in dieser Zeit hergestellten Instrumente gehören zu den begehrtesten Vintage-Saxophonen, wobei das Connqueror Modell (30-M) hier am häufigsten genannt wird. Ab 1920 stellte Conn die Saxophone in zwei unterschiedlichen Bauweisen her, und zwar in hoher bzw. niedriger Stimmung. Die Instrumente dieser Zeit sind häufig mit einer Kennung zusätzlich zur Seriennummer versehen.

LP oder L steht für Low Pitch und entspricht 440 Hz für den Ton A. Dagegen steht HP oder H für High Pitch, was 457 Hz für den Ton A entspricht. Erst 1939 war in London eine einheitliche internationale Stimmtonhöhe von 440 Hz für den Ton A festgelegt worden.

Zu Beginn des Saxophonbaus finden sich für Conn-Instrumente bis etwa in die 20er Jahr die Bezeichnungen Wonder, Improved System, American First, Victor New Wonder und Transitional. Das ab 1917 erschienene Modell New Wonder wird "Chu Berry" genannt. Es folgte in den 30er Jahren die M-Serie. Die verschiedenen Baugrößen wurden von 1-M bis 30-M durchnummeriert.

Beispielsweise handelt es sich bei dem 10-M um ein Tenor, welches aufgrund seiner Bechergravur "Ladyface" genannt wird. 26-M ist das Alt und 30-M das Tenor, welche beide auch unter der Bezeichnung "Connqueror" bekannt sind. Unter 28-M (Alt) versteht man das "Constellation".

Die Qualität der Saxophone ließ ab etwa 1955 stark nach. Unter dem Dach der UMI wird von Conn derzeit ein Tenorsaxophon unter der Bezeichnung 86-M und 3 verschiedene Altsaxophone unter den Bezeichnungen 25-M, 24-M und 24-M-HF angeboten. Mit diesem Angebot soll versucht werden, qualitätstechnisch an alte Zeiten anzuknüpfen.

 

 

7.2. Buescher

Firmengründer Ferdinand August Buescher (1861 - 1937) war seit 1875 bei Conn in Elkhart/Indiana beschäftigt. 1894 machte sich Buescher selbständig und firmierte ab 1903 in Elkhart unter der Bezeichnung "Buescher Band Instrument Company".

Das ab etwa 1920 hergestellte Modell True Tone war das erste erfolgreiche Saxophon von Buescher. Dieses wurde in den 30er Jahren durch die Aristocrat-Reihe abgelöst, welchem schließlich 1942 das Buescher 400 folgte. Das letztgenannte gilt als das beste Buescher-Modell.

Nach dem Krieg ließ die Qualität der Buescher-Saxophone stetig nach. Im Jahre 1963 wurde Buescher schließlich an Selmer USA verkauft.

Die aktuelle Modellreihe wird unter der fortlaufenden Bezeichnung BU3 bis BU6 entsprechend den verschiedenen Baugrößen angeboten.

 

 

7.3. Henderson N. White Corporation / King

Die seit 1907 unter dem Handelsnamen King bekannte Firma wurde 1893 durch Henderson White (1874 - 1940) in Cleveland/Ohio gegründet. Es handelte sich dabei um eine kleine Reparaturwerkstatt, in welcher White mit dem Posaunisten Thomas King zusammenarbeitete.

Nach dem Bau von Posaunen wurden nach und nach auch andere Blasinstrumente produziert. Im folgenden wurden für Buffet & Crampon - damals Evette & Schaeffer - Saxophone verkauft und ab 1910 Importinstrumente des Saxophonbauers Kohlert aus dem deutschen Graslitz (heutiges Kraslice/Tschechien).

Ab 1916 stieg King selbst in den Saxophonbau ein. In den 30er Jahren wurden die bekannten Modelle Vol-Tru, Vol-Tru II, Zephyr und Zephyr Special hergestellt. Diesen folgte ab den 40er Jahren das bekannteste King-Saxophon, das Super 20, welches bis zu seiner Produktionseinstellung zwischenzeitlich in Eastlake 1975 der französischen Konkurrenz trotzen konnte.

Bereits 1965 war die White-Corporation von dem ebenfalls nicht mehr in dieser Form bestehenden Instrumentenhersteller S.M.L. (Strasser-Marigaux-Lemaire) aufgekauft worden. Bis zur Übernahme durch UMI (United Music Instruments) im Jahr 1985 wurde noch das Schülermodell King Cleveland angeboten.

Nachdem auch Conn unter dem Dach von UMI firmiert, werden durch King augen-scheinlich baugleiche Modelle wie die derzeitigen Conn-Instrumente angeboten. Es handelt sich dabei um Alt-Saxophone mit der Bezeichnung 670, 665 und 665-HF.

 

 

7.4. Martin

Der aus Dresden stammende Hornbauer Johann Heinrich Martin (1835 - 1910) ließ sich ca. 1855 in New York nieder und arbeitete später bei Conn. Sein Sohn Charles Henry Martin (1865 - 1927) gründete 1885 mit seinen Brüdern eine eigene Werkstatt.

Mit dem Saxophonbau wurde erst ab 1914 begonnen. Die Firmenbezeichnungen lautete ab 1917 "Elkhart Musical Instrument Co." und ab 1942 "Indiana Band Instrument Co." Die Firma wurde 1963 mit dem Verkauf an Wurlitzer Geschichte und ging 1971 an Leblanc, welche auch die Firma Frank Holton übernommen hatte. Leblanc vertreibt zwar u.a. Saxophone, jedoch handelt es sich dabei um die Yanagisawa Modellreihe.

Martin stellte in den 20er Jahren das Modell Handcraft her, welchem ein voller runder Sound nachgesagt wird. Wegen der Perlmuttauflagen auf den Trillerklappen setzte sich dann auch die Bezeichnung "Typewriter" durch. Es folgte das Committee und ab 1945 das Committee II, welches zusammen mit dem gleichzeitig gebauten Modell The Martin als die besten Martin-Saxophone gelten. Ein Merkmal der Martin-Modelle sind die aufgelöteten Kamine. Weitere Modelle bis zur Einstellung der Produktion 1963 waren Music Man und Magna.

 

 

7.5. Selmer USA

Selmer USA entstand 1904 durch Alexandre Selmer, einem Bruder von Henri Selmer. Dieser eröffnete in New-York einen Shop, um die in Frankreich hergestellten Produkte in den USA zu verkaufen. Nachdem Alexandre Selmer 1918 wieder nach Frankreich zurückkehrte, verkaufte er den Shop und die Namensrechte an George Bundy, welcher anschließend Selmer USA aufbaute und zunächst durch die Produktion von Flöten in den neuen Werkstätten in Elkhart/Indiana bekannt wurde.

In den Anfangsjahren wurden die Saxophone für Selmer USA von den Firmen Conn und Buescher hergestellt. 1963 übernahm Selmer USA unter anderem den Saxophonhersteller Buescher. Bemerkenswert ist der Erwerb des renommierten Flügelherstellers Steinway & Sons im Jahr 1995. Über lange Jahre wurden die als Schülerinstrumente geltenden Modelle Bundy und Selmer Signet produziert.

Ein Teil der Mark VI Modelle von Selmer Paris wurde in den USA endmontiert, weshalb man sich entschloss, dieses auch in den USA überaus erfolgreiche Saxophon nachzubauen. In den 80er Jahren wurde dieser Nachbau unter dem Namen Selmer Omega aufgelegt und war zu dieser Zeit eines der ganz wenigen in den USA produzierten Saxophone mit professionellem Anspruch. Dieses Modell ist nach einer Umbenennung unter der Bezeichnung 100er-Serie erhältlich. Die 200er- und 300er-Serie entsprechen den Bundy- bzw. Signet-Modellen.

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